Einleitung.
In der That iſt auch nichts natuͤrlicher, wenn man unter dieſem Wort das verſteht, was billiger und vernuͤnftiger Weiſe geſchehen ſollte; verſteht man aber darunter das, was
gewoͤhnlicher Maaßen geſchieht, ſo iſt hinwiederum nichts
natuͤrlicher und begreiflicher, als daß dieſe Unterſuchung lange Zeit
unterbleiben mußte. Denn ein Theil dieſer Erkentniſſe, die
mathematiſche, iſt im alten Beſitze der Zuverlaͤßigkeit, und giebt
dadurch eine guͤnſtige Erwartung auch vor andere, ob dieſe gleich
von ganz verſchiedener Natur ſeyn moͤgen. UeberdemUederdem, wenn man uͤber den Kreis der Erfahrung hinaus iſt, ſo
iſt man ſicher, durch Erfahrung nicht widerſprochen zu werden. Der
Reiz, ſeine Erkentniſſe zu erweitern, iſt ſo groß, daß man nur durch
einen klaren Widerſpruch, auf den man ſtoͤßt, in ſeinem Fortſchritt
aufgehalten werden kan. Dieſer aber kan vermieden werden,
wenn man ſeine Erdichtungen behutſam macht, ohne daß ſie deswegen
weniger Erdichtungen bleiben. Die Mathematik giebt uns ein glaͤnzendes Beyſpiel, wie weit wir es unabhaͤngig
von der Erfahrung in der Erkentniß a priori
bringen koͤnnen. Nun beſchaͤftigt ſie ſich zwar mit Gegenſtaͤnden und Erkentniſſen, blos ſo weit als ſich ſolche in der
Anſchauung darſtellen laſſen. Aber dieſer Umſtand wird
leicht uͤberſehen, weil gedachte Anſchauung ſelbſt a priori gegeben werden kan, mithin von einem bloſſen reinen
Begriff kaum unterſchieden wird. Durch einen ſolchen Beweis von der
Macht der Vernunft auf