Alle Vernunfterkentniß iſt nun entweder die aus Begriffen, oder aus der Conſtruction der Begriffe, die erſtere heißt philoſophiſch, die zweite mathematiſch. Von dem inneren Unterſchiede beider habe ich ſchon im erſten Hauptſtuͤcke gehandelt. Ein Erkentniß demnach kan obiectiv philoſophiſch ſeyn und iſt doch ſubiectiv hiſtoriſch, wie bey den meiſten Lehrlingen und bey allen, die uͤber die Schule niemals hinausſehen und zeitlebens Lehrlinge bleiben. Es iſt aber doch ſonderbar: daß das mathematiſche Erkentniß, ſo wie man es erlernet hat, doch auch ſubiectiv vor Vernunfterkentniß gelten kan, und ein ſolcher Unterſchied bey ihr nicht ſo, wie bey dem philoſophiſchen ſtatt findet. Die Urſache iſt, weil die Erkentnißquellen, aus denen der Lehrer allein ſchoͤpfen kan, nirgend anders als in den weſentlichen und aͤchten Principien der Vernunft liegen und mithin von dem Lehrlinge nirgend anders hergenommen, noch etwa geſtritten werden koͤnnen, und dieſes zwar darum, weil der Gebrauch der Vernunft hier nur in concreto, obzwar dennoch a priori, nemlich an der reinen und, eben deswegen, fehlerfreien Anſchauung geſchieht und alle Taͤuſchung und Irrthum ausſchließt. Man kan alſo unter allen Vernunftwiſſenſchaften (a priori) nur allein Mathematik, niemals aber Philoſophie (es ſey denn hiſtoriſch), ſondern, was die Vernunft betrift, hoͤchſtens nur philoſophiren lernen.