Methodenlehre III.
Hauptſt.
ctiv, entweder hiſtoriſch oder rational. Die hiſtoriſche
Erkentniß iſt cognitio ex datis, die rationale aber
cognitio ex principiis. Eine
Erkentniß mag urſpruͤnglich gegeben ſeyn, woher ſie wolle,
ſo iſt ſie doch bey dem, der ſie beſizt, hiſtoriſch, wenn er nur in dem
Grade und ſo viel erkent, als ihm anderwerts gegeben worden, es
mag dieſes ihm nun durch unmittelbare Erfahrung oder Erzaͤhlung, oder
auch Belehrung (allgemeiner Erkentniſſe) gegeben ſeyn. Daher hat der,
welcher ein Syſtem der Philoſophie z. B. das wolfiſche, eigentlich gelernt hat, ob er gleich alle
Grundſaͤtze, Erklaͤrungen und Beweiſe, zuſamt der
Eintheilung des ganzen Lehrgebaͤudes im Kopf haͤtte und alles an den
Fingern abzaͤhlen koͤnte, doch keine andere als vollſtaͤndige hiſtoriſche Erkentniß der wolfiſchen
Philoſophie; er weis und urtheilt nur ſo viel, als ihm gegeben war. Streitet ihm eine Definition, ſo weis er nicht, wo er eine
andere hernehmen ſoll. Er bildete ſich nach fremder Vernunft, aber das
nachbildende Vermoͤgen iſt nicht das erzeugende, d. i. das Erkentniß
entſprang bey ihm nicht aus Vernunft und, ob es gleich, obiectiv,
allerdings ein Vernunfterkentniß war, ſo iſt es doch,
ſubiectiv blos hiſtoriſch. Er hat gut gefaßt und
behalten, d. i. gelernet und iſt ein Gipsabdruck von einem
lebenden Menſchen. Vernunfterkentniſſe, die es obiectiv ſind, (d.
i. zu anfangs nur aus der eigenen Vernunft des Menſchen
entſpringen koͤnnen) duͤrfen nur denn allein auch ſubiectiv
dieſen Nahmen fuͤhren, wenn ſie aus allgemeinen