Niemand verſucht es, eine Wiſſenſchaft zu Stande zu bringen, ohne daß ihm eine Idee zum Grunde liege. Allein, in der Ausarbeitung derſelben entſpricht das Schema, ia ſo gar die Definition, die er gleich zu Anfange von ſeiner Wiſſenſchaft giebt, ſehr ſelten ſeiner Idee; denn dieſe liegt, wie ein Keim, in der Vernunft, in welchem alle Theile noch ſehr eingewickelt und kaum der microſcopiſchen Beobachtung kennbar, verborgen liegen. Um deswillen muß man Wiſſenſchaften, weil ſie doch alle aus dem Geſichtspuncte eines gewiſſen allgemeinen Intereſſe ausgedacht werden, nicht nach der Beſchreibung, die der Urheber derſelben davon giebt, ſondern nach der Idee, welche man aus der natuͤrlichen Einheit der Theile, die er zuſammengebracht hat, in der Vernunft ſelbſt gegruͤndet findet, erklaͤren und beſtimmen. Denn da wird ſich finden: daß der Urheber und oft noch ſeine ſpaͤteſte Nachfolger um eine Idee herumirren, die ſie ſich ſelbſt nicht haben deutlich machen und daher den eigenthuͤmlichen Inhalt, die Articulation (ſyſtematiſche Einheit) und Graͤnzen der Wiſſenſchaft nicht beſtimmen koͤnnen.
Es iſt ſchlimm: daß nur allererſt, nachdem wir lange Zeit, nach Anweiſung einer in uns verſteckt liegenden Idee, rhapſodiſtiſch viele dahin ſich beziehende Erkentniſſe, als Bauzeug, geſammelt, ia gar lange Zeiten hindurch ſie