Des Canons der reinen Vernunft Dritter Abſchnitt. Vom Meinen, Wiſſen und Glauben.
Das Vorwahrhalten iſt eine Begebenheit in unſerem Verſtande, die auf obiectiven Gruͤnden beruhen mag, aber auch ſubiective Urſachen im Gemuͤthe deſſen, der da urtheilt, erfodert. Wenn es vor iederman guͤltig iſt, ſo fern er nur Vernunft hat, ſo iſt der Grund deſſelben obiectiv hinreichend und das Vorwahrhalten heißt alsdenn Ueberzeugung. Hat es nur in der beſonderen Beſchaffenheit des Subiect ſeinen Grund, ſo wird es Ueberredung genant.
Ueberredung iſt ein bloſſer Schein, weil der Grund des Urtheils, welcher lediglich im Subiecte liegt, vor obiectiv gehalten wird. Daher hat ein ſolches Urtheil auch nur Privatguͤltigkeit und das Vorwahrhalten laͤßt ſich nicht mittheilen. Wahrheit aber beruht auf der Uebereinſtimmung mit dem Obiecte, in Anſehung deſſen folglich die Urtheile eines ieden Verſtandes einſtimmig ſeyn muͤſſen (conſentientia uni tertio, conſentiunt inter ſe). Der Probierſtein des Vorwahrhaltens, ob es Ueberzeugung oder bloſſe Ueberredung ſey, iſt alſo, aͤuſſerlich, die Moͤglichkeit, daſſelbe mitzutheilen und das Vorwahrhalten vor iedes Menſchen Vernunft guͤltig zu befinden; denn alsdenn iſt wenigſtens eine Vermuthung, der Grund der Einſtim