Methodenlehre II.
Hauptſt. II. Abſch.
eine Idee, deren Ausfuͤhrung auf der Bedingung beruht, daß
iederman thue, was er ſoll, d. i. alle Handlungen vernuͤnftiger
Weſen ſo geſchehen, als ob ſie aus einem oberſten Willen, der alle
Privatwillkuͤhr in ſich, oder unter ſich befaßt,
entſpraͤngen. Da aber die Verbindlichkeit aus dem
moraliſchen Geſetze vor iedes beſonderen Gebrauch der
Freiheit guͤltig bleibt, wenn gleich andere dieſem
Geſetze ſich nicht gemaͤß verhielten, ſo iſt weder aus der Natur
der Dinge der Welt, noch der Cauſſalitaͤt der Handlungen ſelbſt und
ihrem Verhaͤltniſſe zur Sittlichkeit beſtimt, wie ſich ihre Folgen
zur Gluͤckſeligkeit verhalten werden, und die angefuͤhrte
nothwendige Verknuͤpfung der Hoffnung, gluͤcklich zu ſeyn, mit dem
unablaͤſſigen Beſtreben, ſich der Gluͤckſeligkeit
wuͤrdig zu machen, kan durch die Vernunft nicht erkant werden, wenn
man blos Natur zum Grunde legt, ſondern darf nur gehofft
werden, wenn eine hoͤchſte Vernunft, die nach
moraliſchen Geſetzen gebietet, zugleich als Urſache
der Natur zum Grunde gelegt wird.
Ich nenne die Idee einer ſolchen Intelligenz, in welcher
der moraliſchvollkommenſte Wille, mit der hoͤchſten Seligkeit
verbunden, die Urſache aller Gluͤckſeligkeit in der Welt iſt, ſo
fern ſie mit der Sittlichkeit (als der Wuͤrdigkeit
gluͤcklich zu ſeyn) in genauem Verhaͤltniſſe ſteht,
das Ideal des hoͤchſten Guts. Alſo kan die
reine Vernunft nur in dem Ideal des hoͤchſten urſpruͤnglichen Guts den Grund der
practiſchnothwendigen Verknuͤpfung beider
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