Des Canons der reinen Vernunft Zweiter Abſchnitt. Von dem Ideal des hoͤchſten Guts als einem Beſtimmungsgrunde des lezten Zwecks der reinen Vernunft.
Die Vernunft fuͤhrete uns in ihrem ſpeculativen Gebrauche durch das Feld der Erfahrungen und, weil daſelbſt vor ſie niemals voͤllige Befriedigung anzutreffen iſt, von da zu ſpeculativen Ideen, die uns aber am Ende wiederum auf Erfahrung zuruͤck fuͤhreten und alſo ihre Abſicht auf eine zwar nuͤtzliche, aber unſerer Erwartung gar nicht gemaͤſſe Art erfuͤlleten. Nun bleibt uns noch ein Verſuch uͤbrig: ob nemlich auch reine Vernunft im practiſchen Gebrauche anzutreffen ſey, ob ſie in demſelben zu den Ideen fuͤhre, welche die hoͤchſten Zwecke der reinen Vernunft, die wir eben angefuͤhrt haben, erreichen und dieſe alſo aus dem Geſichtspuncte ihres practiſchen Intereſſe nicht dasienige gewaͤhren koͤnne, was ſie uns in Anſehung des ſpeculativen ganz und gar abſchlaͤgt.
Alles Intereſſe meiner Vernunft (das ſpeculative ſo wol, als das practiſche) vereinigt ſich in folgenden drey Fragen: