Man kan zwar logiſch alle Saͤtze, die man will, negativ ausdruͤcken, in Anſehung des Inhalts aber unſerer Erkentniß uͤberhaupt, ob ſie durch ein Urtheil erweitert, oder beſchraͤnkt wird, haben die verneinende das eigenthuͤmliche Geſchaͤfte, lediglich den Irrthum abzuhalten. Daher auch negative Saͤtze, welche eine falſche Erkentniß abhalten ſollen, wo doch niemals ein Irrthum moͤglich iſt, zwar ſehr wahr, aber doch leer, d. i. ihrem Zwecke gar nicht angemeſſen und eben darum oft laͤcherlich ſeyn. Wie der Satz ienes Schulredners: daß Alexander, ohne Kriegsheer, keine Laͤnder haͤtte erobern koͤnnen.
Wo aber die Schranken unſerer moͤglichen Erkentniß ſehr enge, der Anreitz zum Urtheilen groß, der Schein, der ſich darbietet, ſehr betruͤglich und der Nachtheil aus dem Irrthum erheblich iſt, da hat das Negative der Unterweiſung, welches blos dazu dient, um uns vor Irrthuͤmer zu verwahren, noch mehr Wichtigkeit, als manche poſitive Belehrung, dadurch unſer Erkentniß Zuwachs bekommen koͤnte. Man nennet den Zwang, wodurch der beſtaͤndige Hang von gewiſſen Regeln abzuweichen, eingeſchraͤnkt und endlich vertilget wird, die Diſciplin. Sie iſt von der Cultur unterſchieden, welche blos eine Fertigkeit verſchaffen ſoll, ohne eine andere, ſchon vorhandene, dagegen aufzuheben. Zu der Bildung eines Talents,