Methodenlehre I.
Hauptſt. IV. Abſch. ꝛc.
in ſeiner Reihe bald Sieger iſt, bald unterliegt, nehmen
oftmals daraus Anlaß, das Obiect des Streits ſelbſt ſceptiſch zu
bezweifeln. Aber ſie haben nicht Urſache dazu und es iſt gnug,
ihnen zuzurufen: non defenſoribus iſtis tempus eger. Ein ieder muß ſeine Sache vermittelſt
eines, durch transſcendentale Deduction der Beweisgruͤnde gefuͤhrten rechtlichen Beweiſes, d. i. direct fuͤhren,
damit man ſehe, was ſeine Vernunftanſpruͤche vor ſich ſelbſt
anzufuͤhren haben. Denn fuſſet ſich ſein Gegner auf
ſubiective Gruͤnde, ſo iſt er freilich leicht zu widerlegen, aber
ohne Vortheil vor den Dogmatiker, der gemeiniglich eben ſo den
ſubiectiven Urſachen des Urtheils anhaͤngt und gleichergeſtalt von ſeinem Gegner in die Enge getrieben werden kan.
Verfahren aber beide Theile blos direct, ſo werden ſie entweder die Schwierigkeit, ia Unmoͤglichkeit,
den Titel ihrer Behauptungen auszufinden, von ſelbſt bemerken,
und ſich zulezt nur auf Veriaͤhrung berufen koͤnnen, oder die
Critik wird den dogmatiſchen Schein leicht entdecken und die reine
Vernunft noͤthigen, ihre zu hoch getriebene Anmaſſungen im
ſpeculativen Gebrauch aufzugeben und ſich innerhalb die Graͤnzen
ihres eigenthuͤmlichen Bodens, nemlich practiſcher Grundſaͤtze,
zuruͤck zu ziehen.