Die Diſciplin der reinen Vernunft im
polem. ꝛc.
gar keinen Vortheil haben. Denn was kan den Einſichten
nachtheiliger ſeyn, als ſo gar bloſſe Gedanken verfaͤlſcht einander
mitzutheilen, Zweifel, die wir wider unſere eigene
Behauptungen fuͤhlen, zu verheelen, oder Beweisgruͤnden,
die uns ſelbſt nicht gnug thun, einen Anſtrich von Evidenz zu
geben. So lange indeſſen blos die Privateitelkeit dieſe
geheime Raͤnke anſtiftet (welches in ſpeculativen
Urtheilen, die kein beſonderes Intereſſe haben und nicht leicht
einer apodictiſchen Gewißheit faͤhig ſind, gemeiniglich
der Fall iſt), ſo widerſteht denn doch die Eitelkeit anderer mit
oͤffentlicher Genehmigung und die Sachen kommen zulezt dahin, wo
die lauterſte Geſinnung und Aufrichtigkeit, obgleich weit fruͤher,
ſie gebracht haben wuͤrde. Wo aber das gemeine Weſen davor haͤlt:
daß ſpitzfindige Vernuͤnftler mit nichts minderem umgehen, als
die Grundveſte der oͤffentlichen Wolfahrt wankend zu machen, da ſcheint es nicht allein der Klugheit gemaͤß, ſondern auch erlaubt und wol gar ruͤhmlich, der guten
Sache eher durch Scheingruͤnde zu Huͤlfe zu kommen, als den
vermeintlichen Gegnern derſelben auch nur den Vortheil zu laſſen,
unſeren Ton zur Maͤſſigung einer blos practiſchen Ueberzeugung
herabzuſtimmen, und uns zu noͤthigen, den Mangel der ſpeculativen
und apodictiſchen Gewißheit zu geſtehen. Indeſſen ſolte ich denken:
daß ſich mit der Abſicht, eine gute Sache zu behaupten,
in der Welt wol nichts uͤbler, als Hinterliſt, Verſtellung und
Betrug vereinigen laſſe. Daß es in der Abwiegung der
Vernunft