Auf ſolche Weiſe giebt es eigentlich gar keine Antithetik der reinen Vernunft. Denn der einzige Kampfplatz vor ſie wuͤrde auf dem Felde der reinen Theologie und Pſychologie zu ſuchen ſeyn; dieſer Boden aber traͤgt keinen Kaͤmpfer in ſeiner ganzen Ruͤſtung und mit Waffen, die zu fuͤrchten waͤren. Er kan nur mit Spott oder Grosſprecherey auftreten, welches als ein Kinderſpiel belacht werden kan. Das iſt eine troͤſtende Bemerkung, die der Vernunft wieder Muth giebt, denn, worauf wolte ſie ſich ſonſt verlaſſen, wenn ſie, die allein alle Irrungen abzuthun berufen iſt, in ſich ſelbſt zerruͤttet waͤre, ohne Frieden und ruhigen Beſitz hoffen zu koͤnnen?
Alles, was die Natur ſelbſt anordnet, iſt zu irgend einer Abſicht gut. Selbſt Gifte dienen dazu, andere Gifte, welche ſich in unſeren eigenen Saͤften erzeugen, zu uͤberwaͤltigen und duͤrfen daher in einer vollſtaͤndigen Samlung von Heilmitteln (Officin) nicht fehlen. Die Einwuͤrfe, wider die Ueberredungen und den Eigenduͤnkel unſerer blos ſpeculativen Vernunft, ſind ſelbſt durch die Natur dieſer Vernunft aufgegeben und muͤſſen alſo ihre gute Beſtimmung und Abſicht haben, die man nicht in den Wind ſchlagen muß. Wozu hat uns die Vorſehung manche Gegenſtaͤnde, ob ſie gleich mit unſerem hoͤchſten Intereſſe zuſammenhaͤngen, ſo hoch geſtellt, daß uns faſt