Es iſt etwas Bekuͤmmerndes und Niederſchlagendes: daß es uͤberhaupt eine Antithetik der reinen Vernunft geben, und dieſe, die doch den oberſten Gerichtshof uͤber alle Streitigkeiten vorſtellt, mit ſich ſelbſt in Streit gerathen ſoll. Zwar hatten wir oben eine ſolche ſcheinbare Antithetik derſelben vor uns, aber es zeigte ſich, daß ſie auf einem Mißverſtande beruhete, da man nemlich, dem gemeinen Vorurtheile gemaͤß, Erſcheinungen vor Sachen an ſich ſelbſt nahm und denn eine abſolute Vollſtaͤndigkeit ihrer Syntheſis, auf eine oder andere Art (die aber auf beiderley Art gleich unmoͤglich war), verlangte, welches aber von Erſcheinungen gar nicht erwartet werden kan. Es war alſo damals kein wirklicher Widerſpruch der Vernunft mit ihr ſelbſt bey den Saͤtzen: die Reihe an ſich gegebener Erſcheinungen hat einen abſoluterſten Anfang und: dieſe Reihe iſt ſchlechthin und an ſich ſelbſt ohne allen Anfang; denn beide Saͤtze beſtehen gar wol zuſammen, weil Erſcheinungen nach ihrem Daſeyn (als Erſcheinungen) an ſich ſelbſt gar nichts, d. i. etwas widerſprechendes ſind und alſo deren Vorausſetzung natuͤrlicher Weiſe widerſprechende Folgerungen nach ſich ziehen muß.