Die Diſciplin der reinen Vernunft im
polem. ꝛc.
ſind alle Behauptungen der lezten blindlings gewagt. Und
auf ſolche Weiſe waͤre ein durchgaͤngiger Zweifel an alle
dogmatiſche Philoſophie, die ohne Critik der Vernunft ſelbſt
ihren Gang geht, ganz wol gegruͤndet; allein darum koͤnte doch
der Vernunft nicht ein ſolcher Fortgang, wenn er durch beſſere
Grundlegung vorbereitet und geſichert wuͤrde,
gaͤnzlich abgeſprochen werden. Denn, einmal liegen alle
Begriffe, ia alle Fragen, welche uns die reine Vernunft vorlegt, nicht etwa in der Erfahrung, ſondern ſelbſt
wiederum nur in der Vernunft und muͤſſen daher koͤnnen aufgeloͤſet und ihrer Guͤltigkeit oder Nichtigkeit nach
begriffen werden koͤnnen. Wir ſind auch nicht berechtigt, dieſe
Aufgaben, als laͤge ihre Aufloͤſung wirklich in der Natur der
Dinge, doch unter dem Vorwande unſeres Unvermoͤgens
abzuweiſen und uns ihrer weiteren Nachforſchung zu
weigern, da die Vernunft in ihrem Schoße allein dieſe Ideen
ſelbſt erzeugt hat, von deren Guͤltigkeit oder dialectiſchen
Scheine ſie alſo Rechenſchaft zu geben gehalten iſt.
Alles ſceptiſche Polemiſiren iſt eigentlich nur wider den
Dogmatiker gekehrt, der, ohne ein Mißtrauen auf ſeine
urſpruͤngliche obiective Principien zu ſetzen, d. i. ohne
Critik gravitaͤtiſch ſeinen Gang fortſezt, blos um ihm das
Concept zu verruͤcken und zur Selbſterkentniß zu bringen. An ſich macht ſie in Anſehung deſſen, was wir wiſſen und was wir dagegen nicht wiſſen koͤnnen, ganz
und gar nichts aus. Alle fehlgeſchlagene dogmatiſche Verſuche
der