So giebts demnach keine eigentliche Polemik im Felde der reinen Vernunft. Beide Theile ſind Luftfechter, die ſich mit ihrem Schatten herumbalgen, denn ſie gehen uͤber die Natur hinaus, wo vor ihre dogmatiſche Griffe nichts vorhanden iſt, was ſich faſſen und halten lieſſe. Sie haben gut kaͤmpfen; die Schatten, die ſie zerhauen, wachſen, wie die Helden in Valhalla in einem Augenblicke wiederum zuſammen, um ſich aufs neue in unblutigen Kaͤmpfen beluſtigen zu koͤnnen.
Es giebt aber auch keinen zulaͤſſigen ſceptiſchen Gebrauch der reinen Vernunft, welchen man den Grundſatz der Neutralitaͤt bey allen ihren Streitigkeiten nennen koͤnte. Die Vernunft wider ſich ſelbſt zu verhetzen, ihr auf beiden Seiten Waffen zu reichen und alsdenn ihrem hitzigſten Gefechte ruhig und ſpoͤttiſch zuzuſehen, ſieht aus einem dogmatiſchen Geſichtspuncte nicht wol aus, ſondern hat das Anſehen einer ſchadenfrohen und haͤmiſchen Gemuͤthsart an ſich. Wenn man indeſſen die unbezwingliche Verblendung und das Großthun der Vernuͤnftler, die ſich