Methodenlehre I.
Hauptſt. I. Abſch.
einigen (dem Mittelpuncte) gleich weit abſtehen, den Fehler, daß die Beſtimmung krumm
unnoͤthiger Weiſe eingefloſſen iſt. Denn es muß einen
beſonderen Lehrſatz geben, der aus der Definition
gefolgert wird und leicht bewieſen werden kan: daß eine
iede Linie, deren alle Puncte von einem einigen gleich weit
abſtehen, krumm, (kein Theil von ihr gerade) ſey. Analytiſche
Definitionen koͤnnen dagegen auf vielfaͤltige Art irren, entweder,
indem ſie Merkmale hineinbringen, die wirklich nicht im
Begriffe lagen, oder an der Ausfuͤhrlichkeit ermangeln, die
das weſentliche einer Definition ausmacht, weil man der Vollſtaͤndigkeit ſeiner Zergliederung nicht ſo voͤllig gewiß
ſeyn kan. Um deswillen laͤßt ſich die Methode der Mathematik
im Definiren in der Philoſophie nicht nachahmen.
2. Von den Axiomen. Dieſe ſind ſynthetiſche
Grundſaͤtze a priori, ſo fern ſie unmittelbar
gewiß ſeyn. Nun laͤßt ſich nicht ein Begriff mit dem anderen
ſynthetiſch und doch unmittelbar verbinden, weil,
damit wir uͤber einen Begriff hinausgehen koͤnnen, ein drittes
vermittelnde Erkentniß noͤthig iſt. Da nun
Philoſophie, blos die Vernunfterkentniß nach Begriffen iſt, ſo wird
in ihr kein Grundſatz anzutreffen ſeyn, der den Nahmen eines
Axioms verdiene. Die Mathematik dagegen iſt der Axiomen
faͤhig, weil ſie vermittelſt der Conſtruction der Begriffe in der Anſchauung des Gegenſtandes die Praͤdicate
deſſelben a priori und unmittelbar verknuͤpfen
kan, Z. B. daß drey Puncte iederzeit in einer Ebene liegen. Dage
gen