b) Mathematiſche Definitionen koͤnnen niemals irren. Denn, weil der Begriff durch die Definition zuerſt gegeben wird, ſo enthaͤlt er gerade nur das, was die Definition durch ihn gedacht haben will. Aber, obgleich den: Inhalte nach nichts Unrichtiges darin vorkommen kan, ſo kan doch bisweilen, obzwar nur ſelten, in der Form (der Einkleidung) gefehlt werden, nemlich in Anſehung der Praͤciſion. So hat die gemeine Erklaͤrung der Kreislinie: daß ſie eine krumme Linie ſey, deren alle Puncte von einem
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- Die Philoſophie wimmelt von fehlerhaften Definitionen, vornehmlich ſolchen, die zwar wirklich Elemente zur Definition, aber noch nicht vollſtaͤndig enthalten. Wuͤrde man nun eher gar nichts mit einem Begriffe anfangen koͤnnen, als bis man ihn definirt haͤtte, ſo wuͤrde es gar ſchlecht mit allem Philoſophiren ſtehen. Da aber, ſo weit die Elemente (der Zergliederung) reichen, immer ein guter und ſicherer Gebrauch davon zu machen iſt, ſo koͤnnen auch mangelhafte Definitionen, d. i. Saͤtze, die eigentlich noch nicht Definitionen, aber uͤbrigens wahr und alſo Annaͤherungen zu ihnen ſind, ſehr nuͤtzlich gebraucht werden. In der Mathematik gehoͤret die Definition ad eſſe, in der Philoſophie ad melius eſſe. Es iſt ſchoͤn, aber oft ſehr ſchwer, dazu zu gelangen. Noch ſuchen die Juriſten eine Definition zu ihrem Begriffe von Recht.↩