Methodenlehre I.
Hauptſt. I. Abſch.
ſtellet. Nach den oben vorgetragenen transſcendentalen
Grundlehren iſt dieſe Urſache klar. Es komt hier nicht auf
analytiſche Saͤtze an, die durch bloſſe Zergliederung der Begriffe
erzeugt werden koͤnnen, (hierin wuͤrde der Philoſoph
ohne Zweifel den Vortheil uͤber ſeinen Nebenbuhler haben), ſondern
auf ſynthetiſche und zwar ſolche, die a
priori ſollen erkant werden. Denn ich ſoll nicht auf dasienige ſehen, was ich in meinem Begriffe vom
Triangel wirklich denke, (dieſes iſt nichts weiter, als die bloſſe
Definition), vielmehr ſoll ich uͤber ihn zu
Eigenſchaften, die in dieſem Begriffe nicht liegen, aber doch zu
ihm gehoͤren, hinausgehen. Nun iſt dieſes nicht anders moͤglich,
als daß ich meinen Gegenſtand nach den Bedingungen, entweder der empiriſchen Anſchauung, oder der reinen Anſchauung beſtimme. Das erſtere wuͤrde nur einen empiriſchen Satz (durch Meſſen ſeiner Winckel), der keine
Allgemeinheit, noch weniger Nothwendigkeit
enthielte, abgeben und von dergleichen iſt gar nicht die
Rede. Das zweite Verfahren aber iſt die mathematiſche und zwar
hier die geometriſche Conſtruction, vermittelſt deren ich in
einer reinen Anſchauung, eben ſo, wie in der empiriſchen, das
Mannigfaltige, was zu dem Schema eines Triangels uͤberhaupt, mithin zu ſeinem Begriffe gehoͤret, hinzuſetze, wodurch allerdings allgemeine ſynthetiſche Saͤtze
werden muͤſſen.
Ich wuͤrde alſo umſonſt uͤber den Triangel philoſophiren,
d. i. discurſiv nachdenken, ohne dadurch im min
deſten