Methodenlehre I.
Hauptſtuͤck
vollſtaͤndigen Syſtems der reinen Vernunft. Wir werden es in dieſer
Abſicht mit einer Diſciplin, einem Canon,
einer Architectonik, endlich einer Geſchichte der reinen Vernunft zu thun haben und
dasienige in transſcendentaler Abſicht leiſten, was, unter dem Nahmen einer
practiſchen Logik, in Anſehung des Gebrauchs des Verſtandes uͤberhaupt in den Schulen geſucht, aber ſchlecht geleiſtet wird;
weil, da die allgemeine Logik auf keine beſondere Art der
Verſtandeserkentniß (z. B. nicht auf die reine), auch nicht auf gewiſſe
Gegenſtaͤnde eingeſchraͤnkt iſt, ſie, ohne Kentniſſe aus anderen
Wiſſenſchaften zu borgen, nichts mehr thun kan, als Titel zu moͤglichen Methoden und techniſche
Ausdruͤcke, deren man ſich in Anſehung des Syſtematiſchen in
allerley Wiſſenſchaften bedient, vorzutragen, die den Lehrling zum voraus
mit Nahmen bekant machen, deren Bedeutung und Gebrauch er
kuͤnftig allererſt ſoll kennen lernen.
Der
Transſcendentalen Methodenlehre
Erſtes Hauptſtuͤck. Die Diſciplin der
reinen Vernunft.
Die negativen Urtheile, die es nicht blos der
logiſchen Form, ſondern auch dem Inhalte nach ſind, ſtehen bey der
Wißbegierde der Menſchen in keiner ſonderlichen Achtung; man ſieht ſie
wol gar als neidiſche Feinde unſeres unablaͤſſig zur
Erweiterung ſtrebenden Erkentnißtriebes
an