Wollen wir die Receptivitaͤt unſeres Gemuͤths, Vorſtellungen zu empfangen, ſo fern es auf irgend eine Weiſe afficirt wird, Sinnlichkeit nennen, ſo iſt dagegen das Vermoͤgen, Vorſtellungen ſelbſt hervorzubringen, oder die Spontaneitaͤt des Erkentniſſes, der Verſtand. Unſre Natur bringt es ſo mit ſich, daß die Anſchauung niemals anders als ſinnlich ſeyn kan, d. i. nur die Art enthaͤlt, wie wir von Gegenſtaͤnden afficirt werden. Dagegen iſt das Vermoͤgen, den Gegenſtand ſinnlicher Anſchauung zu denken, der Verſtand. Keine dieſer Eigenſchaften iſt der andern vorzuziehen. Ohne Sinnlichkeit wuͤrde uns kein Gegenſtand gegeben, und ohne Verſtand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt ſind leer, Anſchauungen ohne Begriffe, ſind blind. Daher iſt es eben ſo nothwendig, ſeine Begriffe ſinnlich zu machen, (d. i. ihnen den Gegenſtand in der Anſchauung beyzufuͤgen), als ſeine Anſchauungen ſich verſtaͤndlich zu machen,) d. i. ſie unter Begriffe zu bringen). Beyde Vermoͤgen, oder Faͤhigkeiten, koͤnnen auch ihre Funetionen nicht vertauſchen. Der Verſtand vermag nichts anzuſchauen, und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, daß ſie ſich vereinigen, kan Erkentniß entſpringen. Deswegen darf man aber doch nicht ihren Antheil vermiſchen, ſondern man hat große Urſache,