Einleitung.
halt verloͤre, d. i. alle Beziehung auf irgend ein Obiect
mithin alle Wahrheit. Weil es aber ſehr anlockend und
verleitend iſt, ſich dieſer reinen Verſtandeserkentniſſe und
Grundſaͤtze allein, und ſelbſt uͤber die Grenzen der Erfahrung hinaus zu bedienen, welche doch einzig und
allein uns die Materie (Obiecte) an die Hand geben kan, worauf iene reine Verſtandesbegriffe angewandt werden
koͤnnen: ſo geraͤth der Verſtand in Gefahr,
durch leere Vernuͤnfteleyen von den bloſſen formalen
Principien des reinen Verſtandes einen materialen
Gebrauch zu machen, und uͤber Gegenſtaͤnde ohne Unterſchied zu
urtheilen, die uns doch nicht gegeben ſind, ia vielleicht auf
keinerley Weiſe gegeben werden koͤnnen. Da ſie alſo
eigentlich nur ein Canon der Beurtheilung des empiriſchen
Gebrauchs ſeyn ſollte, ſo wird ſie gemisbraucht, wenn man ſie
als das Organon eines allgemeinen und unbeſchraͤnkten
Gebrauchs gelten laͤßt, und ſich mit dem reinen Verſtande
allein wagt, ſynthetiſch uͤber Gegenſtaͤnde uͤberhaupt zu
urtheilen, zu behaupten, und zu entſcheiden. Alſo wuͤrde der
Gebrauch des reinen Verſtandes alsdenn dialectiſch ſeyn. Der
zweyte Theil der transſcendentalen Logik muß alſo eine Critik
dieſes dialectiſchen Scheines ſeyn, und heißt,
transſcendentale Dialectik, nicht als eine
Kunſt, dergleichen Schein dogmatiſch zu erregen, (eine leider
ſehr gangbare Kunſt mannigfaltiger metaphyſiſcher
Gauckelwerke) ſondern als eine Critik des Verſtandes und der
Vernunft in Anſehung ihres hyperphyſiſchen
Gebrauchs, um den falſchen Schein ihrer