VII. Abſch. Critik aller
ſpeculativen Theologie.
ich ſie vom goͤttlichen Willen, obzwar
vermittelſt beſonderer dazu in der
Welt darauf geſtellten Anlagen, ableite? Ja,
das koͤnt ihr auch thun, aber ſo, daß es euch
gleich viel gelten muß, ob iemand ſage, die
goͤttliche Weisheit hat alles ſo zu ſeinen
oberſten Zwecken geordnet, oder die Idee der
hoͤchſten Weisheit iſt ein regulativ in der
Nachforſchung der Natur und ein
Princip der ſyſtematiſchen und zweckmaͤſſigen
Einheit derſelben nach allgemeinen Naturgeſetzen, auch ſelbſt da, wo wir iene
nicht gewahr werden, d. i. es muß euch da, wo
ihr ſie wahrnehmt, voͤllig einerley ſeyn, zu ſagen: Gott hat es weislich ſo
gewolt, oder die Natur hat es alſo weislich
geordnet. Denn die groͤßte ſyſtematiſche und
zweckmaͤſſige Einheit, welche eure Vernunft aller Naturforſchung als
regulatives Princip zum Grunde zu legen
verlangte, war eben das, was euch berechtigte, die Idee einer hoͤchſten Intelligenz
als ein Schema des regulativen
Princips zum Grunde zu legen und, ſo viel ihr
nun, nach demſelben, Zweckmaͤſſigkeit in der
Welt antreft, ſo viel habt ihr Beſtaͤtigung der
Rechtmaͤſſigkeit eurer Idee; da
aber gedachtes Princip nichts anders zur
Abſicht hatte, als nothwendige und
groͤßtmoͤgliche Natureinheit zu ſuchen, ſo
werden wir dieſe zwar, ſo weit als wir ſie
erreichen, der Idee eines hoͤchſten Weſens zu
danken haben, koͤnnen aber die
allgemeine Geſetze der Natur, als in Abſicht
auf welche die Idee nur zum Grunde gelegt
wurde, ohne mit uns ſelbſt in Widerſpruch zu gerathen,