Des dritten Hauptſtuͤcks Vierter Abſchnitt. Von der Unmoͤglichkeit eines ontologiſchen Beweiſes vom Daſeyn Gottes.
Man ſiehet aus dem bisherigen leicht: daß der Begriff eines abſolutnothwendigen Weſens ein reiner Vernunftbegriff, d. i. eine bloſſe Idee ſey, deren obiective Realitaͤt dadurch, daß die Vernunft ihrer bedarf, noch lange nicht bewieſen iſt, welche auch nur auf eine gewiſſe, obzwar unerreichbare Vollſtaͤndigkeit Anweiſung giebt und eigentlich mehr dazu dient, den Verſtand zu begraͤnzen, als ihn auf neue Gegenſtaͤnde zu erweitern. Es findet ſich hier nun das Befremdliche und Widerſinniſche, daß der Schluß, von einem gegebenen Daſeyn uͤberhaupt auf irgend ein ſchlechthinnothwendiges Daſeyn, dringend und richtig zu ſeyn ſcheint und wir gleichwol alle Bedingungen des Verſtandes, ſich einen Begriff von einer ſolchen Nothwendigkeit zu machen, gaͤnzlich wider uns haben.
Man hat zu aller Zeit von dem abſolutnothwendigen Weſen geredet und ſich nicht ſo wol Muͤhe gegeben, zu verſtehen: ob und wie man ſich ein Ding von dieſer Art auch nur denken koͤnne, als vielmehr deſſen Daſeyn zu beweiſen. Nun iſt zwar eine Nahmenerklaͤrung von dieſem Begriffe ganz leicht, daß es nemlich ſo etwas ſey, deſſen Nichtſeyn unmoͤglich iſt, aber man wird hiedurch um nichts