Anmerkung zur erſten Antinomie. I. zur Theſis
Ich habe bey dieſen einander widerſtreitenden Argumenten nicht Blendwercke geſucht, um etwa (wie man ſagt) einen Advocatenbeweis zu fuͤhren, welcher ſich der Unbehutſamkeit des Gegners zu ſeinem Vortheile bedient, und ſeine Berufung auf ein mißverſtanden Geſetz gerne gelten laͤßt, um ſeine eigene unrechtmaͤſſige Anſpruͤche auf die Widerlegung deſſelben zu bauen. Jeder dieſer Beweiſe iſt aus der Sache Natur gezogen und der Vortheil bey Seite geſezt worden, den uns die Fehlſchluͤſſe der Dogmatiker von beiden Theilen geben koͤnten.
Ich haͤtte die Theſis auch dadurch dem Scheine nach beweiſen koͤnnen: daß ich von der Unendlichkeit einer gegebenen Groͤſſe, nach der Gewohnheit der Dogmatiker, einen fehlerhaften Begriff voran geſchikt haͤtte. Unendlich iſt eine Groͤſſe, uͤber die keine groͤſſere (d. i. uͤber die darin enthaltene Menge einer gegebenen Einheit) moͤglich iſt. Nun iſt keine Menge die groͤſſeſte, weil noch immer eine, oder mehrere Einheiten hinzugethan werden koͤnnen. Alſo iſt eine unendliche gegebene Groͤſſe, mithin auch eine, (der verfloſſenen Reihe ſowol, als der Ausdehnung nach) unendliche Welt unmoͤglich: ſie iſt alſo beiderſeitig begraͤnzt. So haͤtte ich meinen Beweis fuͤhren koͤnnen: allein dieſer Begriff ſtimt nicht mit dem, was man unter einem unendlichen Ganzen verſteht. Es wird dadurch nicht vorgeſtellt, wie groß es ſey, mithin iſt ſein Begriff auch nicht der Begriff eines Maximum, ſondern es wird dadurch nur