Von einer geraden Linie kan man mit Recht ſagen, ſie koͤnne ins Unendliche verlaͤngert werden, und hier wuͤrde die Unterſcheidung des Unendlichen und des unbeſtimbar weiten Fortgangs (progreſſus in indefinitum) eine leere Subtilitaͤt ſeyn. Denn, ob gleich, wenn es heißt: ziehet eine Linie fort, es freilich richtiger lautet, wenn man hinzu ſezt, in indefinitum, als wenn es heißt, in infinitum; weil das erſtere nicht mehr bedeutet als: verlaͤngert ſie, ſo weit ihr wollet, das zweite aber: ihr ſollt niemals aufhoͤren ſie zu verlaͤngern (welches hiebey eben nicht die Abſicht iſt), ſo iſt doch, wenn nur vom koͤnnen die Rede iſt, der erſtere Ausdruck ganz richtig; denn ihr koͤnt ſie ins Unendliche immer groͤſſer machen. Und ſo verhaͤlt es ſich auch in allen Faͤllen, wo man nur vom Progreſſus, d. i. dem Fortgange von der Bedingung zum Bedingten, ſpricht; dieſer moͤgliche Fortgang geht in der Reihe der Erſcheinungen ins Unendliche. Von einem Elternpaar koͤnt ihr in abſteigender Linie der Zeugung ohne Ende fortgehen und euch auch ganz wol denken, daß ſie wirklich