Die menſchliche Vernunft iſt ihrer Natur nach architectoniſch, d. i. ſie betrachtet alle Erkentniſſe, als gehoͤrig zu einem moͤglichen Syſtem, und verſtattet daher auch nur ſolche Principien, die eine vorhabende Erkentniß wenigſtens nicht unfaͤhig machen, in irgend einem Syſtem mit anderen zuſammen zu ſtehen. Die Saͤtze der Antitheſis ſind aber von der Art: daß ſie die Vollendung eines Gebaͤudes von Erkentniſſen gaͤnzlich unmoͤglich machen. Nach ihnen giebt es uͤber einen Zuſtand der Welt immer einen noch aͤlteren, in iedem Theile immer noch andere wiederum theilbare, vor ieder Begebenheit eine andere, die wiederum eben ſo wol anderweitig erzeugt war, und im Daſeyn uͤberhaupt alles immer nur bedingt, ohne irgend ein unbedingtes und erſtes Daſeyn anzuerkennen. Da alſo die Antitheſis nirgend ein Erſtes einraͤumt und keinen Anfang, der ſchlechthin zum Grunde des Baues dienen koͤnte, ſo iſt ein vollſtaͤndiges Gebaͤude der Erkentniß, bey dergleichen Vorausſetzungen, gaͤnzlich unmoͤglich.