III. Abſch. Von dem
Intereſſe der Vernunft ꝛc.
Aber eben dieſes iſt ſein Bewegungsgrund. Denn
er befindet ſich alsdenn in einem
Zuſtande, in welchem ſich auch der Gelehrteſte
uͤber ihn nichts herausnehmen kan. Wenn er
wenig oder nichts davon verſteht, ſo kan ſich doch
auch niemand ruͤhmen, viel Mehr davon zu
verſtehen und, ob er gleich hieruͤber nicht ſo
ſchulgerecht, als andere ſprechen kan, ſo kan
er doch daruͤber unendlich mehr vernuͤnfteln,
weil er unter lauter Ideen herumwandelt, uͤber die
man eben darum am beredtſten iſt, weil man
davon nichts weiß; anſtatt, daß er uͤber der
Nachforſchung der Natur ganz verſtummen und
ſeine Unwiſſenheit geſtehen muͤßte.
Gemaͤchlichkeit und Eitelkeit alſo ſind ſchon eine
ſtarke Empfehlung dieſer
Grundſaͤtze. Ueberdem, ob es gleich einem
Philoſophen ſehr ſchwer wird, etwas als Grundſatz
anzunehmen, ohne deshalb ſich
ſelbſt Rechenſchaft geben zu koͤnnen, noch weniger Begriffe, deren obiective
Realitaͤt nicht eingeſehen werden kan,
einzufuͤhren: ſo iſt doch dem gemeinen Verſtande nichts gewoͤhnlicher. Er will
etwas haben, womit er zuverſichtlich anfangen
koͤnne. Die Schwierigkeit, eine ſolche
Vorausſetzung ſelbſt zu begreifen,
beunruhigt ihn nicht, weil ſie ihm, (der nicht
weiß, was Begreiffen heißt,) niemals in den
Sinn komt, und er haͤlt das vor bekant, was ihm
durch oͤfteren Gebrauch gelaͤufig iſt. Zulezt
aber verſchwindet alles ſpeculative Intereſſe bey ihm vor dem practiſchen, und er bildet
ſich ein, das einzuſehen und zu wiſſen, was
anzunehmen oder zu glauben, ihn ſeine
Beſorgniſſe oder Hoffnungen antreiben.