Koͤnte ſich aber ein Menſch von allem Intereſſe losſagen, und die Behauptungen der Vernunft, gleichguͤltig gegen alle Folgen, blos nach dem Gehalte ihrer Gruͤnde in Betrachtung ziehen: ſo wuͤrde ein ſolcher, geſezt daß er keinen Ausweg wuͤßte, anders aus dem Gedraͤnge zu kommen, als daß er ſich zu einer, oder andern der ſtrittigen Lehren bekennete, in einem unaufhoͤrlich ſchwankenden Zuſtande ſeyn. Heute wuͤrde es ihm uͤberzeugend vorkommen: der menſchliche Wille ſey frey; Morgen, wenn er die unaufloͤsliche Naturkette in Betrachtung zoͤge, wuͤrde er davor halten: die Freiheit ſey nichts als Selbſttaͤuſchung und alles ſey blos Natur. Wenn es nun aber zum Thun und Handeln kaͤme, ſo wuͤrde dieſes Spiel der blos ſpeculativen Vernunft, wie Schattenbilder eines Traums, verſchwinden und er wuͤrde ſeine Principien blos nach dem practiſchen Intereſſe waͤhlen. Weil es aber doch einem nachdenkenden und forſchenden Weſen anſtaͤndig iſt, gewiſſe Zeiten lediglich der Pruͤfung ſeiner eigenen Vernunft zu widmen, hiebey aber alle Partheylichkeit gaͤnzlich auszuziehen, und ſo ſeine Bemerkungen anderen zur Beurtheilung oͤffentlich mitzutheilen: ſo kan es niemanden verargt, noch weniger verwehrt werden, die Saͤtze und