II. Abſch. Die Antithetik
der reinen Vernunft.
indem die Beweiſe iederzeit an dem Faden der
reinen Anſchauung, und zwar durch
iederzeit evidente Syntheſis fortgehen muͤſſen.
In der Experimentalphiloſophie kan wol ein
Zweifel des Aufſchubs nuͤtzlich ſeyn, allein es
iſt doch wenigſtens kein Mißverſtand moͤglich,
der nicht leicht gehoben werden koͤnte, und in
der Erfahrung muͤſſen doch endlich die lezte
Mittel der Entſcheidung des Zwiſtes liegen, ſie
moͤgen nun fruͤh oder ſpaͤt aufgefunden werden.
Die Moral kan ihre Grundſaͤtze insgeſamt auch
in concreto
zuſamt den practiſchen Folgen, wenigſtens in
moͤglichen Erfahrungen geben, und dadurch den
Mißverſtand der Abſtraction vermeiden. Dagegen
ſind die transſcendentale
Behauptungen, welche ſelbſt uͤber das Feld aller
moͤglichen Erfahrungen hinaus ſich
erweiternde Einſichten anmaſſen,
weder in dem Falle, daß ihre abſtracte Syntheſis in irgend einer Anſchauung a priori koͤnte gegeben,
noch ſo beſchaffen, daß der Mißverſtand
vermittelſt irgend einer Erfahrung entdekt
werden koͤnte. Die transſcendentale Vernunft
alſo verſtattet keinen anderen Probierſtein,
als den Verſuch der Vereinigung ihrer
Behauptungen unter ſich ſelbſt, und mithin
zuvor des freien und ungehinderten
Wettſtreits derſelben unter einander und dieſen
wollen wir aniezt anſtellen*).