Hier zeigt ſich nemlich ein neues Phaͤnomen der menſchlichen Vernunft, nemlich: eine ganz natuͤrliche Antithetik, auf die keiner zu gruͤbeln und kuͤnſtlich Schlingen zu legen braucht, ſondern in welche die Vernunft von ſelbſt und zwar unvermeidlich geraͤth, und dadurch zwar vor den Schlummer einer eingebildeten Ueberzeugung, den ein blos einſeitiger Schein hervorbringt, verwahrt, aber zugleich in Verſuchung gebracht wird, ſich entweder einer ſceptiſchen Hoffnungsloſigkeit zu uͤberlaſſen, oder einen dogmatiſchen Trotz anzunehmen und den Kopf ſteif auf gewiſſe Behauptungen zu ſetzen, ohne den Gruͤnden des Gegentheils Gehoͤr und Gerechtigkeit wiederfahren zu laſſen. Beides iſt der Tod einer geſunden Philoſophie, wiewol iener allenfals noch die Euthanaſie der reinen Vernunft genant werden koͤnte.
Ehe wir die Auftritte des Zwieſpalts und der Zerruͤttungen ſehen laſſen, welche dieſer Widerſtreit der Geſetze (Antinomie) der reinen Vernunft veranlaßt, wollen wir gewiſſe Eroͤrterungen geben, welche die Methode erlaͤutern und rechtfertigen koͤnnen, deren wir uns in Behandlung unſeres Gegenſtandes bedienen. Ich nenne alle transſcendentale Ideen, ſo fern ſie die abſolute Totalitaͤt in der Syntheſis der Erſcheinungen betreffen, Weltbegriffe,