Ehe ich nun unſeren Paralogismus ſeinem truͤglichen Scheine nach darſtelle, muß ich zuvor bemerken, daß man nothwendig einen zweifachen Idealism unterſcheiden muͤſſe, den transſcendentalen und den empiriſchen. Ich verſtehe aber unter dem transſcendentalen Idealism aller Erſcheinungen den Lehrbegriff, nach welchem wir ſie insgeſamt als bloſſe Vorſtellungen, und nicht als Dinge an ſich ſelbſt, anſehen, und dem gemaͤß Zeit und Raum nur ſinnliche Formen unſerer Anſchauung, nicht aber vor ſich gegebene Beſtimmungen, oder Bedingungen der Obiecte, als Dinge an ſich ſelbſt ſind. Dieſem Idealism iſt ein transſcendentaler Realism entgegengeſezt, der Zeit und Raum als etwas an ſich (unabhaͤngig von unſerer Sinnlichkeit) gegebenes anſieht. Der transſcendentale Realiſt ſtellet ſich alſo aͤuſſere Erſcheinungen (wenn man ihre Wirklichkeit einraͤumt) als Dinge an ſich ſelbſt vor, die unabhaͤngig von uns und unſerer Sinnlichkeit exiſtiren, alſo auch nach reinen Verſtandesbegriffen auſſer uns waͤren. Dieſer transſcendentale Realiſt iſt es eigentlich, welcher nachher den empiriſchen Idealiſten ſpielt, und nachdem er faͤlſchlich von Gegenſtaͤnden der Sinne vorausgeſezt hat, daß, wenn ſie aͤuſſere ſeyn ſollen, ſie an ſich ſelbſt auch ohne Sinne ihre Exiſtenz haben muͤßten, in dieſem Geſichtspuncte alle unſere Vorſtellungen der Sinne unzureichend findet, die Wirklichkeit derſelben gewiß zu machen.