I. Hauptſt. V. d.
Paralogismen d. r. Vernunft.
Satz: Ein Gedanke kan nur die Wirkung der
abſoluten Einheit des denkenden Weſens ſeyn,
kan nicht als analytiſch behandelt
werden. Denn die Einheit des Gedanken, der
aus vielen Vorſtellungen beſteht, iſt collectiv
und kan ſich, den bloſſen Begriffen nach,
eben ſowol auf die collective
Einheit der daran mitwirkenden Subſtanzen beziehen, (wie die Bewegung eines Coͤrpers
die zuſammengeſezte Bewegung aller
Theile deſſelben iſt) als auf die abſolute Einheit des Subiects. Nach der
Regel der Identitaͤt kan alſo die
Nothwendigkeit der Vorausſetzung einer einfachen Subſtanz, bey einem
zuſammengeſezten Gedanken, nicht eingeſehen
werden. Daß aber eben derſelbe Satz
ſynthetiſch und voͤllig a
priori aus lauter Begriffen erkant
werden ſolle, das wird ſich niemand zu
verantworten getrauen, der den
Grund der Moͤglichkeit ſynthetiſcher Saͤtze
a priori, ſo wie wir ihn
oben dargelegt haben, einſieht.
Nun iſt es aber auch unmoͤglich, dieſe
nothwendige Einheit des Subiects, als die
Bedingung der Moͤglichkeit eines ieden
Gedankens, aus der Erfahrung abzuleiten. Denn
dieſe giebt keine Nothwendigkeit zu erkennen,
geſchweige, daß der Begriff der
abſoluten Einheit weit uͤber ihre Sphaͤre
iſt. Woher nehmen wir denn dieſen Satz,
worauf ſich der ganze pſychologiſche
Vernunftſchluß ſtuͤtzet?
Es iſt offenbar: daß, wenn man ſich ein
denkend Weſen vorſtellen will, man ſich
ſelbſt an ſeine Stelle ſetzen, und alſo dem
Obiecte, welches man erwaͤgen wollte, ſein
eigenes Subiect unterſchieben muͤſſe, (welches in keiner