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I. Hauptſt. V. d. Paralogismen d. r. Vernunft.

Wozu haben wir wol eine blos auf reine Vernunftprincipien gegruͤndete Seelenlehre noͤthig? Ohne Zweifel vorzuͤglich in der Abſicht, um unſer denkendes Selbſt wider die Gefahr des Materialismus zu ſichern. Dieſes leiſtet aber der Vernunftbegriff von unſerem denkenden Selbſt, den wir gegeben haben. Denn weit gefehlt, daß nach demſelben einige Furcht uͤbrig bliebe, daß, wenn man die Materie wegnaͤhme, dadurch alles Denken und ſelbſt die Exiſtenz denkender Weſen aufgehoben werden wuͤrde, ſo wird vielmehr klar gezeigt: daß, wenn ich das denkende Subiect wegnehme, die ganze Coͤrperwelt wegfallen muß, als die nichts iſt, als die Erſcheinung in der Sinnlichkeit unſeres Subiects und eine Art Vorſtellungen deſſelben.

Dadurch erkenne ich zwar freilich dieſes denkende Selbſt ſeinen Eigenſchaften nach nicht beſſer, noch kan ich ſeine Beharrlichkeit, ia ſelbſt nicht einmal die Unabhaͤngigkeit ſeiner Exiſtenz, von dem etwanigen transſcendentalen Subſtratum aͤuſſerer Erſcheinungen einſehen, denn dieſes iſt mir, eben ſowol als ienes, unbekant. Weil es aber gleichwol moͤglich iſt, daß ich anders woher, als aus blos ſpeculativen Gruͤnden Urſache hernaͤhme, eine ſelbſtſtaͤndige und bey allem moͤglichen Wechſel meines Zuſtandes beharrliche Exiſtenz meiner denkenden Natur zu hoffen, ſo iſt dadurch ſchon viel gewonnen, bey dem freien Geſtaͤndniß meiner eigenen Unwiſſenheit, dennoch die dogmatiſche Angriffe eines ſpeculativen Gegners abtreiben zu koͤnnen, und

ihm