III. Abſch. Syſtem der
transſcendent. Ideen.
Bedingten aber, giebt es zwar einen weit
erſtrekten logiſchen Gebrauch, den unſere Vernunft
von den Verſtandesgeſetzen macht, aber
gar keinen transſcendentalen, und, wenn wir uns von
der abſoluten Totalitaͤt einer ſolchen Syntheſis (des progreſſus) eine Idee machen, z. B. von
der ganzen Reihe aller kuͤnftigen
Weltveraͤnderungen, ſo iſt dieſes ein Gedankending
(ens rationis), welches nur
willkuͤhrlich gedacht, und nicht
durch die Vernunft nothwendig
vorausgeſezt wird. Denn zur Moͤglichkeit des Bedingten wird zwar die Totalitaͤt ſeiner
Bedingungen, aber nicht ſeiner Folgen vorausgeſezt.
Folglich iſt ein ſolcher Begriff keine
transſcendentale Idee, mit der wir es doch hier
lediglich zu thun haben.
Zulezt wird man auch gewahr: daß unter den transſcendentalen Ideen ſelbſt ein gewiſſer
Zuſammenhang und Einheit hervorleuchte, und daß die
reine Vernunft, vermittelſt ihrer, alle
ihre Erkentniſſe in ein Syſtem bringe. Von der
Erkentniß ſeiner ſelbſt (der Seele) zur
Welterkentniß, und, vermittelſt dieſer, zum Urweſen
fortzugehen iſt ein ſo natuͤrlicher Fortſchritt,
daß er dem logiſchen Fortgange der Vernunft, von
den Praͤmiſſen zum Schlußſatze aͤhnlich
ſcheint. Ob nun hier wirklich eine Verwandſchaft
von der Art, als zwiſchen dem logiſchen und
transſcendentalen Verfahren, in
geheim zum Grunde liege, iſt auch eine von den
Fragen, deren Beantwortung man in dem Verfolg
dieſer Unterſuchungen allererſt erwarten muß.