Vernunft, als Vermoͤgen einer gewiſſen logiſchen Form der Erkentniß betrachtet, iſt das Vermoͤgen zu ſchlieſſen, d. i. mittelbar (durch die Subſumtion der Bedingung eines moͤglichen Urtheils unter die Bedingung eines gegebenen) zu urtheilen. Das gegebene Urtheil iſt die allgemeine Regel (Oberſatz, Maior). Die Subſumtion der Bedingung eines andern moͤglichen Urtheils unter die Bedingung der Regel iſt der Unterſatz (Minor), das wirkliche Urtheil, welches die Aſſertion der Regel in dem ſubſumirten Falle ausſagt, iſt der Schlußſatz (Concluſio). Die Regel nemlich ſagt etwas allgemein unter einer gewiſſen Bedingung. Nun findet in einem vorkommenden Falle die Bedingung der Regel ſtatt. Alſo wird das, was unter iener Bedingung allgemein galt, auch in dem vorkommenden Falle (der dieſe Bedingung bey ſich fuͤhrt) als guͤltig angeſehen. Man ſiehet leicht, daß die Vernunft durch Verſtandeshandlungen, welche eine Reihe von Bedingungen ausmachen, zu einem Erkentniſſe gelange. Wenn ich zu dem Satze: alle Coͤrper ſind veraͤnderlich, nur dadurch gelange, daß ich von dem entfernetern Erkentniß, (worin der Begriff des Coͤrpers noch nicht vorkomt, der aber doch davon die Bedingung enthaͤlt) anfange: alles zuſammengeſezte iſt veraͤnderlich, von dieſem zu einem naͤheren gehe, der unter der Bedingung des erſteren ſteht: die Coͤrper ſind zuſammengeſezt, und von dieſem allererſt zu einem dritten, der nunmehr das entfernte Erkentniß (veraͤnderlich) mit der vorliegenden verknuͤpft: folglich