Elementarl. II. Th. II. Abth. I.
Buch.
daß ſie nur nach Ideen moͤglich ſeyn, daß zwar kein
einzelnes Geſchoͤpf, unter den einzelnen
Bedingungen ſeines Daſeyns, mit der Idee des
Vollkommenſten ſeiner Art congruire, (ſo wenig wie der
Menſch mit der Idee der Menſchheit, die er ſo gar
ſelbſt als das Urbild ſeiner Handlungen in ſeiner Seele
traͤgt,) daß gleichwol iene Ideen im hoͤchſten
Verſtande einzeln, unveraͤnderlich, durchgaͤngig
beſtimt und die urſpruͤngliche Urſachen der Dinge ſind,
und nur das Ganze ihrer Verbindung im Weltall einzig
und allein iener Idee voͤllig adaͤquat ſey. Wenn man
das Uebertriebene des Ausdrucks abſondert, ſo iſt der
Geiſtesſchwung des Philoſophen, von der copeylichen
Betrachtung des Phyſiſchen der Weltordnung zu der architectoniſchen Verknuͤpfung derſelben nach
Zwecken, d. i. nach Ideen, hinaufzuſteigen, eine
Bemuͤhung, die Achtung und Nachfolge verdient, in
Anſehung desienigen aber, was die Principien der
Sittlichkeit, der Geſetzgebung und der Religion
betrift, wo die Ideen die Erfahrung ſelbſt (des Guten)
allererſt moͤglich machen, obzwar niemals darin voͤllig
ausgedruͤckt werden koͤnnen, ein ganz eigenthuͤmliches Verdienſt, welches man nur darum nicht
erkent, weil man es durch eben die empiriſche Regeln
beurtheilt, deren Guͤltigkeit, als Principien, eben
durch ſie hat aufgehoben werden ſollen. Denn in
Betracht der Natur giebt uns Erfahrung die Regel an die
Hand und iſt der Quell der Wahrheit; in Anſehung der
ſittlichen Geſetze aber iſt Erfahrung
(leider!) die Mutter des Scheins, und es iſt