III. Hauptſt. Von dem Grunde d.
Unterſch. ꝛc.
ten ganz abweicht, und wobey es freylich keine
Schwierigkeit hat, aber auch nichts, als
leere Wortkraͤmerey angetroffen wird. Nach
demſelben hat es einigen beliebt, den Inbegriff der
Erſcheinungen, ſo fern er angeſchaut wird, die Sinnenwelt,
ſo fern aber der Zuſammenhang derſelben nach allgemeinen
Verſtandesgeſetzen gedacht wird, die Verſtandeswelt zu
nennen. Die theoretiſche Aſtronomie, welche die bloſſe
Beobachtung des beſtirnten Himmels vortraͤgt,
wuͤrde die erſtere, die contemplative dagegen, (etwa nach
dem copernicaniſchen Weltſyſtem, oder gar nach Newtons
Gravitationsgeſetzen erklaͤrt) die zweite, nemlich eine intelligibele Welt vorſtellig machen. Aber eine
ſolche Wortverdrehung iſt eine bloſſe ſophiſtiſche
Ausflucht, um einer beſchwerlichen Frage auszuweichen,
dadurch, daß man ihren Sinn zu ſeiner Gemaͤchlichkeit
herabſtimt. In Anſehung der Erſcheinungen laͤßt ſich
allerdings Verſtand und Vernunft brauchen, aber es fraͤgt
ſich, ob dieſe auch noch einigen Gebrauch haben, wenn der
Gegenſtand nicht Erſcheinung (Noümenon) iſt, und in dieſem Sinne nimt man ihn,
wenn er an ſich als blos intelligibel, d. i. dem Verſtande
allein, und gar nicht den Sinnen gegeben, gedacht wird. Es iſt alſo die Frage: ob auſſer ienem empiriſchen Gebrauche des Verſtandes (ſelbſt in
der Newtoniſchen Vorſtellung des Weltbaues) noch
ein transſcendentaler moͤglich ſey, der auf das
Noumenon als einen Gegenſtand gehe, welche Frage
wir verneinend beantwortet haben.