Einleitung.
theilen und Schluͤſſen analytiſch aus einander zu
ſetzen, und dadurch formale Regeln alles
Verſtandesgebrauchs zu Stande zu bringen. Wollte ſie nun
allgemein zeigen, wie man unter dieſe Regeln ſubſumiren, d.
i. unterſcheiden ſollte, ob etwas darunter ſtehe oder
nicht, ſo koͤnte dieſes nicht anders, als wieder durch eine
Regel geſchehen. Dieſe aber erfordert eben
darum, weil ſie eine Regel iſt, aufs neue eine Unterweiſung
der Urtheilskraft, und ſo zeigt ſich, daß zwar der Verſtand
einer Belehrung und Ausruͤſtung durch Regeln faͤhig,
Urtheilskraft aber ein beſonderes Talent ſey,
welches gar nicht belehrt, ſondern nur geuͤbt ſeyn will.
Daher iſt dieſe auch das Specifiſche des ſo genanten Mutterwitzes, deſſen Mangel keine Schule erſetzen
kan, weil, ob dieſe gleich einem eingeſchraͤnkten Verſtande
Regeln vollauf, von fremder Einſicht entlehnt, darreichen
und gleichſam einpfropfen kan; ſo muß doch das Vermoͤgen, ſich ihrer richtig zu bedienen, dem
Lehrlinge ſelbſt angehoͤren, und keine Regel,
die man ihm in dieſer Abſicht vorſchreiben moͤchte, iſt, in
Ermangelung einer ſolchen Naturgabe, vor
Mißbrauch ſicher.*) Ein Arzt daher, ein