Wir haben den Verſtand oben auf mancherley Weiſe erklaͤrt: durch eine Spontaneitaͤt der Erkentniß, (im Gegenſatz der Receptivitaͤt der Sinnlichkeit) durch ein Vermoͤgen zu denken, oder auch ein Vermoͤgen der Begriffe, oder auch der Urtheile, welche Erklaͤrungen, wenn man ſie beym lichten beſieht, auf eins hinauslaufen. Jezt koͤnnen wir ihn als das Vermoͤgen der Regeln characteriſiren. Dieſes Kennzeichen iſt fruchtbarer und tritt dem Weſen deſſelben naͤher. Sinnlichkeit giebt uns Formen, (der Anſchauung) der Verſtand aber Regeln. Dieſer iſt iederzeit geſchaͤftig, die Erſcheinungen in der Abſicht durchzuſpaͤhen, um an ihnen irgend eine Regel aufzufinden. Regeln, ſo fern ſie obiectiv ſind, (mithin der Erkentniß des Gegenſtandes nothwendig anhaͤngen) heiſſen Geſetze. Ob wir gleich durch Erfahrung viel Geſetze lernen, ſo ſind dieſe doch nur beſondere Beſtimmungen noch hoͤherer Geſetze, unter denen die hoͤchſten, (unter welchen andere alle ſtehen) a priori aus dem Verſtande ſelbſt herkommen, und nicht von der Erfahrung entlehnt ſind, ſondern vielmehr den Erſcheinungen ihre Geſetzmaͤßigkeit verſchaffen, und eben dadurch Erfahrung moͤglich machen muͤſſen. Es iſt alſo der Verſtand nicht blos ein Vermoͤgen, durch Vergleichung der Erſcheinungen ſich Regeln zu machen: er iſt ſelbſt die Geſetzgebung vor die Natur, d. i. ohne Verſtand wuͤrde es uͤberall nicht Natur, d. i. ſynthetiſche Einheit