III. Abſch. Von den reinen
Verſt. Begr. oder Categ.
Vermoͤgen zu urtheilen, (welches eben ſo viel iſt, als
das Vermoͤgen zu denken) erzeugt, und nicht
rhapſodiſtiſch, aus einer auf gut Gluͤck unternommenen
Aufſuchung reiner Begriffe entſtanden, deren
Vollzaͤhligkeit man niemals gewiß ſeyn kan, da ſie nur
durch Induction geſchloſſen wird, ohne zu gedenken, daß
man noch auf die leztere Art niemals
einſieht, warum denn grade dieſe und nicht andre
Begriffe, dem reinen Verſtande beywohnen. Es war ein,
eines ſcharfſinnigen Mannes wuͤrdiger Anſchlag des Ariſtoteles, dieſe Grundbegriffe aufzuſuchen.
Da er aber kein Principium hatte, ſo rafte er ſie auf,
wie ſie ihm aufſtießen, und trieb deren
zuerſt zehn auf, die er Categorien (Praͤdicamente)
nannte. In der Folge glaubte er noch ihrer fuͤnfe
aufgefunden zu haben, die er unter dem Namen
der Poſtpraͤdicamente hinzufuͤgte. Allein ſeine Tafel
blieb noch immer mangelhaft. Auſſerdem finden ſich auch
einige modi der reinen Sinnlichkeit
darunter (quando, vbi, ſirus,
imgleichen prius, ſimul) auch ein
empiriſcher, (motus) die in dieſes Stammregiſter des Verſtandes gar
nicht gehoͤren, oder es ſind auch die abgeleitete
Begriffe mit unter die Urbegriffe gezaͤhlt,
(actio, paſſio) und an einigen der leztern fehlt es gaͤnzlich.
Um der leztern willen iſt alſo noch zu bemerken: daß die
Categorien, als die wahren Stammbegriffe des reinen
Verſtandes, auch ihre eben ſo reine abgeleitete Begriffe haben, die
in einem vollſtaͤndigen Syſtem der TransſcendentalPhiloſophie
keinesweges uͤbergangen werden