II. Abſchnitt. Von der Zeit.
geſchoͤpft werden koͤnnen, wie vornemlich die reine Mathematik in Anſehung der Erkentniſſe vom Raume und
deſſen Verhaͤltniſſen ein glaͤnzendes Beyſpiel giebt. Sie ſind
nemlich beyde zuſammen genommen reine Formen
aller ſinnlichen Anſchauung, und machen dadurch
ſynthetiſche Saͤtze
a priori moͤglich. Aber dieſe
Erkentnißquellen a priori
beſtimmen ſich eben dadurch (daß ſie blos Bedingungen der
Sinnlichkeit ſeyn) ihre Grenzen, nemlich, daß ſie blos auf
Gegenſtaͤnde gehen, ſo fern ſie als Erſcheinungen betrachtet
werden, nicht aber Dinge an ſich ſelbſt darſtellen.
Jene allein ſind das Feld ihrer Guͤltigkeit, woraus wenn man
hinausgehet, weiter kein obiectiver Gebrauch derſelben ſtatt
findet. Dieſe Realitaͤt des Raumes und der Zeit laͤßt uͤbrigens
die Sicherheit der Erfahrungserkentniß unangetaſtet:
denn wir ſind derſelben eben ſo gewiß, ob dieſe
Formen den Dingen an ſich ſelbſt, oder nur unſrer Anſchauung
dieſer Dinge nothwendiger Weiſe anhaͤngen. Dagegen die, ſo die
abſolute Realitaͤt des Raumes und der Zeit behaupten, ſie
moͤgen ſie nun als ſubſiſtirend, oder nur inhaͤrirend annehmen,
mit den Principien der Erfahrung ſelbſt uneinig ſeyn muͤſſen.
Denn, entſchlieſſen ſie ſich zum erſteren (welches gemeiniglich
die Parthey der mathematiſchen Naturforſcher iſt,) ſo
muͤſſen ſie zwey ewige und unendliche vor ſich beſtehende
Undinge, (Raum und Zeit) annehmen, welche da ſind, (ohne
daß doch etwas Wirkliches iſt), nur um alles wirkliche in ſich
zu befaſſen. Nehmen ſie die zweite Parthey (von