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Vorrede. ſten Verzicht thun wuͤrde, doch ein Phaͤnomen, das Aufmerkſamkeit und Nachſinnen verdient. Sie iſt offenbar die Wirkung nicht des Leichtſinns, ſondern der gereiften Urtheilskraft *) des Zeitalters, welches ſich nicht laͤnger durch Scheinwiſſen hinhalten laͤßt und eine Auffoderung an die Vernunft, das beſchwerlichſte aller ihrer Geſchaͤfte, nemlich das der Selbſterkentniß aufs neue zu uͤbernehmen und einen Gerichtshof einzuſetzen, der ſie bey ihren gerechten Anſpruͤchen ſichere, dagegen aber alle grundloſe An

Man hoͤrt hin und wieder Klagen uͤber Seichtigkeit der Denkungsart unſerer Zeit und den Verfall gruͤndlicher Wiſſenſchaft. Allein ich ſehe nicht, daß die, deren Grund gut gelegt iſt, als Mathematik, Naturlehre ꝛc. dieſen Vorwurf im mindeſten verdienen, ſondern vielmehr den alten Ruhm der Gruͤndlichkeit behaupten, in der lezteren aber ſogar uͤbertreffen. Eben derſelbe Geiſt wuͤrde ſich nun auch in anderen Arten von Erkentniß wirkſam beweiſen, waͤre nur allererſt vor die Berichtigung ihrer Principien geſorgt worden. In Ermangelung derſelben ſind Gleichguͤltigkeit und Zweifel und endlich, ſtrenge Critik, vielmehr Beweiſe einer gruͤndlichen Denkungsart. Unſer Zeitalter iſt das eigentliche Zeitalter der Critik, der ſich alles unterwerfen muß. Religion, durch ihre Heiligkeit, und Geſetzgebung durch ihre Maieſtaͤt, wollen ſich gemeiniglich derſelben entziehen. Aber alsdenn erregen ſie gerechten Verdacht wider ſich, und koͤnnen auf unverſtellte Achtung nicht Anſpruch machen, die die Vernunft nur demienigen bewilligt, was ihre freie und oͤffentliche Pruͤfung hat aushalten koͤnnen.
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Man hoͤrt hin und wieder Klagen uͤber Seichtigkeit der Denkungsart unſerer Zeit und den Verfall gruͤndlicher Wiſſenſchaft. Allein ich ſehe nicht, daß die, deren Grund gut gelegt iſt, als Mathematik, Naturlehre ꝛc. dieſen Vorwurf im mindeſten verdienen, ſondern vielmehr den alten Ruhm der Gruͤndlichkeit behaupten, in der lezteren aber ſogar uͤbertreffen. Eben derſelbe Geiſt wuͤrde ſich nun auch in anderen Arten von Erkentniß wirkſam beweiſen, waͤre nur allererſt vor die Berichtigung ihrer Principien geſorgt worden. In Ermangelung derſelben ſind Gleichguͤltigkeit und Zweifel und endlich, ſtrenge Critik, vielmehr Beweiſe einer gruͤndlichen Denkungsart. Unſer Zeitalter iſt das eigentliche Zeitalter der Critik, der ſich alles unterwerfen muß. Religion, durch ihre Heiligkeit, und Geſetzgebung durch ihre Maieſtaͤt, wollen ſich gemeiniglich derſelben entziehen. Aber alsdenn erregen ſie gerechten Verdacht wider ſich, und koͤnnen auf unverſtellte Achtung nicht Anſpruch machen, die die Vernunft nur demienigen bewilligt, was ihre freie und oͤffentliche Pruͤfung hat aushalten koͤnnen.